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Bookoholiker-Treffen

Öffentlich·15 Mitglieder

Bookoholiker-Treffen 4.6.26 - "Die Wut, die bleibt"

Literaturien lädt Sie zu einem geplanten Zoom-Meeting ein.


Thema: Bookoholiker-Treffen "Die Wut, die bleibt" Mareike Fallwickl

Zeit: 4. Juni 2026 19 Uhr


An Zoom-Meeting teilnehmen

https://buecherscheune.de/diewutdiebleibt


Meeting-ID: 832 1905 6862

Kenncode: 526156

75 Ansichten
yvonntje
07 juin

Hallo, Ihr Lieben! Nach unserem letzten Bookoholiker-Treffen habe ich noch lange über das Buch und unseren sehr anregenden Austausch nachgedacht. Danke, liebe Anne, für die Idee, so ein streitwürdiges Buch vorzuschlagen.

Nachdem ich das Buch nun durchgelesen habe, hatte ich sofort das Bedürfnis, meine Gedanken zu sortieren und nieder zu schreiben. Daran möchte ich euch gerne teilhaben lassen. Und ich möchte noch sagen, dass ich unsere Runden sehr schätze! Ein so konstruktiver, fröhlicher Austausch ist so wichtig. Danke dafür und für den Rahmen, den Maxi und Conny dafür geschaffen haben! Jetzt aber:


Ein wichtiges Buch, nie gab es größere Diskussionen bei der Buchbesprechung der Bookoholiker im Juni 2026.

Die Gewalt und Radikalisierung von Lola, der großen Tochter von Helene, ist dabei größter Kritikpunkt.


Helene steht beim Abendessen mit der Familie auf, geht auf den Balkon und springt. Ohne Abschied, ohne zunächst erkennbaren Grund.


Es ist Corona-Zeit, die Enge der Wohnung, der fehlende Ausgleich, Homeschooling und fehlende Kinderbetreuung bilden den Rahmen der Erzählung, sind vermutlich der Grund für Helenes Überforderung und Suizid.

Die Hinterbliebenen gehen verschiedene Wege der Trauer, versuchen zu verstehen, zu verarbeiten.


Die große Tochter Lola radikalisiert sich, nachdem sie und ihre Freundin von einigen Jungs bedrängt werden. Lola und Sunny lernen im Selbstverteidigungskurs Alva und Femme kennen und werden ein brutales Rächerteam, das keine Grenzen der Gewalt kennt, angetrieben von der „Wut, die bleibt“.


Helenes beste Freundin Sarah fängt an, Helenes Platz in der Familie zu vertreten. Ihr Weg der Bewältigung ist die Hilfe. Sie erlebt ebenfalls Überforderung mit den drei Kindern und einem zumeist durch Abwesenheit oder Desinteresse „glänzenden“ Ehemann von Helene.


Dieser wiederum versucht, sich in Arbeit zu retten. Ist ebenfalls vollkommen überfordert mit der Situation und nimmt Sarahs Hilfe gerne an, ohne diese zu hinterfragen.


Die Männer in diesem Buch sind entweder Täter oder ziemliche Waschlappen. Das ist schade, ich hätte mir auch männliche Protagonisten gewünscht, die sich entwickeln und einen positiven Blick zeigen, wie „Mann“ auch sein kann. Selbst als sich Helenes Mann am Ende um die Kinder kümmert, wird dies gar nicht wirklich erzählt, es bleibt eine Randnotiz aus Sarahs Perspektive. Dabei ist ja gerade das wichtig, zeigt Wege auf aus dem Dilemma gelernter Rollenbilder. Nicht zufällig habe ich seinen Namen schon vergessen, obwohl ich das Buch gerade erst zugeklappt habe.


Ein Ausweg hätte auch aufgezeigt werden können, indem Sarah die beiden kleinen Jungs von Helene anders erzieht, sie zur Hausarbeit motiviert, Rollenklischees hinterfragt. Aber das wollte die Autorin vermutlich gar nicht. Sie braucht die „Wut, die bleibt“ als Ausdruck, Argument, roten Faden ihres Buches.


Der Roman ist eine Wucht! Ein feministisches Werk, überspitzt, ja teilweise komplett überzogen. Gerade das sorgt für große Diskussionen, Unmut, Ablehnung, macht aber auch seine Besonderheit aus.

Ich habe mich gefragt, wie die Autorin zur Frage der Legitimität von Gewalt steht als Reaktion auf Gewalt oder Missbrauch gegenüber Frauen. Nachdem ich das Buch komplett durchgelesen habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie diese nicht vollständig ablehnt, vielleicht sogar legitimiert. Am Ende gibt Sarah ihrem Baby den Namen „Lola“. Lola, nicht Helene!


Sprachlich ein Meisterwerk, modern, aufrüttelnd, schockierend… ein wichtiges Buch! Ich habe Lust, mehr von Mareike Fallwickl zu lesen, aber nicht sofort.

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