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"Neugier ist ein verletzliches Pflänzchen, das nicht nur Anregung, sondern vor allem Freiheit braucht." Albert Einstein

Erst eine Woche ist vergangen, doch so viele Gedanken kreisen durch meinen Kopf. Ich habe mich verändert. Seit letztem Donnerstag habe ich mich verändert. Ich spielte.

Fünf Tage lang, denn Montag gab es noch einen Nachschlag, sozusagen für die, die noch nicht aussteigen konnten. Ich spielte nicht um Kopf und Kragen, sondern um mich. Spielen – das war bislang für mich mal ein Stündchen am Rande, Halma, Mensch ärgere dich nicht, Skat oder Rommé, ein Spiel ganz eindeutig um Gewinnen oder Verlieren. Ich bin da schon ziemlich hart, gnadenlos sagt man mir nach. Ein ganz klein wenig hatten mich Maxi und Oli in den letzten Monaten angepiekst mit ihren Strategiespielen, mit Spielen, bei denen man sogar gemeinsam gegen das Spiel gewinnen kann.

Doch ich fühlte mich noch nicht bereit, mich darauf einzulassen. Nun war unser erstes SpieleWochenende an der Reihe, und ich wollte auf keinen Fall als Zuschauer daneben stehen, über die Schulter schauen und mit dem Kopf schütteln. Mit dem Kopf schüttelten viel von uns, denn solche Spiele wie „Dragon Dale“ sind schon beim 90minütigen Aufbau eine Herausforderung und nur beim Anschauen bereits eine Augenweide.

Kein Wunder, daß man dann über fast sechs Stunden bei „Mage Knight“  sich von Aufmerksamkeit zu Begeisterung zu Euphorie bis hin zur totalen Erschöpfung hangelt.

Als ich all die Vorbereitungen und großartigen Aufbauten beobachtete, hatte ich kurz das Gefühl des „ohje, das begreife ich nie“.

Doch die Neugier auf das Abenteuer war größer. Und da war noch etwas. Da war die Erinnerung an meine ToWantListe aus dem letzten Quartal 2025. Also dachte ich, Conny, Hops rein in eine neue Welt, laß es zu und dich fallen. Denn so haben wir doch auch extra unser neues Jahr überschrieben: Das Jahr, in dem wir alle ganz viel Neues lernen.

Ja, dieses Wochenende hat mich viel Neues gelehrt. Zu zehnt ein gemeinsames Spiel spielen, das hatte ein ganz neues Niveau für mich. Mit meinen blauen Gnomen Knolle und Knubbel gemeinsam Inseln bauen, um Schilder aufzustellen und Blumentöpfe zu erwerben, oder mit Pilzen Tautropfen zu verschieben, die alle im Strudel landen, oder den Lemmingen Betonschuhe zu verpassen, ach, das kann die Phantasie für Garten und Räume und Dekorationen mal eben auf ein sehr hohes Niveau beamen.

Als ich dann noch lernte, wie viele verschiedene Vögel in welchen Nestern bauen, in welchen Lebensräumen wohnen und wie schwer es ist, für diese das richtige Futter zu würfeln, damit ich ausreichend Eier legen kann, da kam ein kleiner Suchtfaktor dazu.

Wißt Ihr, da räume ich nun seit Monaten in der zukünftigen Webstube auf, trenne mich von so vielen Dingen, stelle mir deshalb täglich die anstrengenden Fragen: Brauche ich das noch? Wenn ja, wofür? Wirklich? Was passiert, wenn nicht? Dabei merke ich so oft, wofür ich doch schon alles Geld ausgegeben habe. Erstaunlich. Denn, wenn es so ist, mit diesen - Keine Ahnung, wievielen Monaten nicht angeschaut, dann kann es weg - Regeln, dann bräuchte ich eine sehr große schwarze Tonne. Das fällt mir soooo schwer. Ich bin wahrlich kein Messi, aber ich kann alles noch gebrauchen. Wären da nicht die zwei letzten der oben genannten vier Fragen (Wirklich? Was passiert, wenn nicht?), stünde ich noch immer zwischen vielen Kisten, die inzwischen schon den Weg in die Freiheit gefunden haben. Bei John Strelecky las ich: Wenn du fliegen willst, mußt du Dinge loslassen, die dich runterziehen.“  

Was hat das mit dem SpieleWochenende zu tun? Jede Menge. Ich habe meinen Aufräumprozeß um eine weitere Frage ergänzt: Hilft ES (das Ding) mir, um mich genau damit zu beschäftigen, was mich weiter entwickelt, was etwas mit TUN zu tun hat und nicht nur ein bewegen des Dings von A nach B darstellt. Diese neue Erfahrung, nämlich die Lust am gemeinsamen Spielen, habe ich ganz in mich selbst investiert, ich brauche sie nicht aufräumen, sie steht niemandem im Weg, ich kann sie jederzeit abrufen, diese Erfahrung kann mir niemand nehmen. Diese konkrete, geballte Erfahrung meine ich, die hat mich verändert.

Ich mußte schon einmal in meinem Leben alle, komplett alle materiellen Besitztümer einem Insolvenzverwalter übertragen, doch meine erworbenen Fähigkeiten, mein erworbenes Wissen konnte mir niemand wegnehmen. Darüber dachte ich an diesem Wochenende nach. Was macht mich zu der Frau, zu der Ihr anreist, die Ihr mit einem strahlenden Lächeln umarmt, der Ihr Probleme und Freuden anvertraut. Wohl auch dieses ständige Annehmen von neuen Ideen, die Neugier auf das Leben, der Hunger auf das Abenteuer, die Freude an Gemeinsamkeit. Es ist kein Springen von Blatt zu Blatt, sondern eine bodenständige Wißbegier. Lernen – das ist stets einer meiner Grundpfeiler auf der Wünscheliste des Lebens.

Daran dachte ich an diesem SpieleWochenende, wofür ich Maxi und Oli zutiefst dankbar bin, daran, wie sehr es mich forderte, längeren Erklärungen meine Aufmerksamkeit zu erhalten, mich fortwährend zu konzentrieren, mich nach einem beendeten Spiel aus der Rolle zu verabschieden, um sofort in die nächste zu schlüpfen, mich sofort auf eine neue Runde von Menschen um mich herum einzulassen. Für mich waren es Tage geistigen Leistungssports. Ich habe sie geliebt und freue mich schon jetzt auf den 15. Oktober, wenn das Spiel von vorn beginnt.


3 Kommentare


Horst Paket A
14. Feb.

Liebe Conny

ich habe soeben beschlossen, Deinen Block nicht mehr weiter zu lesen, wenn Du über Spielen sprichst. Mir fehlt diese Art der Beschäftigung sehr.

Viele Grüße Paket A 🙋‍♂️🙂

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Patricia
12. Feb.

Was für schöne, weise Worte! Ich habe eine Zeitlang auch sehr gerne solche Spieleabende mitgemacht, und wenn Ihr nicht so weit weg wärt, wäre ich immer mal gern dabei 😀 ich finde es wunderbar, dass Ihr das macht, und es könnte keinen besseren Ort dafür geben. Liebe Grüße!

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Silvio
12. Feb.

Es war ein unglaubliches Wochenende mit unglaublich tollen Menschen, Spielen und Erfahrungen. Ein ganzes Wochenende dem Spielen gewidmet, Essen (danke das beste Team der Welt), Schlafen (super bequem) und spielen, spielen und spielen.


Ich freue mich aufs nächste Mal <3

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