Mareike Fallwickl: UND ALLE SO STILL
Mareike Fallwickls Buch ist schlichtweg beeindruckend!
Sie schreibt über die grundlegende Ungerechtigkeit unserer Gesellschaft, ohne, dass sie die Leser*innen dabei maßregelt, beschuldigt, überfordert oder ausschließt. Vielmehr nimmt sie sie mit und zeigt auf, was ist und was sich entwickeln könnte, wenn das System Sorgearbeit, das sich auf die Aufopferungsbereitschaft von Frauen stützt, zusammenbricht. Obwohl sie dabei erwartungsgemäß auch Schmerz und Gewalt schildert, verliert Fallwickel dabei nie ihren liebe- und hoffnungsvollen Grundton. Sie bietet keine endgültige Lösung an, aber schafft eine Basis, auf der gegenseitiges Verständnis und der Willen zu positiver Veränderung wachsen können.
Lasst uns alle dieses Buch lesen und endlich dieses absurde und sinnlose Ungleichgewicht abschaffen; dieses Ungleichgewicht, das besteht zwischen herrschenden Männern und sorgenden Frauen, zwischen denkenden, starken, wichtigen (männlichen) Menschen und fühlenden, schwachen, unwichtigen (weiblichen) Menschen.
Was passiert?
Die Frauen legen sich eines Tages hin und stehen freiwillig nicht mehr auf. Sie tun nichts mehr, weder Erwerbs- noch Care-Arbeit. Und – Überraschung! – das System bricht zusammen.
Welche Menschen treffen wir?
Elin arbeitet im Hotel ihrer Mutter, ist eine erfolgreiche Influencerin, hat bedeutungslosen Sex mit irgendwelchen Männern und über diese Dinge den Kontakt zu ihrem Körper und ihren Gefühlen verloren.
Ruth kommt nicht gegen ihr Pflichtgefühl an und arbeitet als Pflegerin im Krankenhaus, als alle anderen schon weg sind. Sie hat nie gelernt, auf sich selbst zu achten und empfindet zu viel Schmerz für ein einzelnes Herz.
Nuri hetzt von einem Scheißjob zum anderen, weiß nur selten, wo er abends schlafen. Dabei denkt er pausenlos darüber nach, dass er feststeckt in einem herzlosen System, das ihm alles verweigert, wonach er sich sehnt: Wärme, Unterstützung, Sicherheit, Kontakt.
Worum geht es?
Erschöpfung, Wut, Angst, Liebe, Gewalt, Patriarchat, Zusammenhalt, Familie, Entfremdung, Verzweiflung, Ohnmacht, Macht, Stärke, Widerstand, Gesellschaft, Ungerechtigkeit, Wertschätzung, Geringschätzung, Leben, Überleben, Veränderung, Menschlichkeit …
Wer oder was spielt noch eine Rolle?
eine Pistole, eine Gebärmutter und die Berichterstattung, die in interessanten Einschüben „fun facts“ liefern oder ihre Sicht auf die Dinge schildern
Wie ist diese Lektüre?
klug, feministisch, kritisch, aufrüttelnd, lebensverändernd, schmerzhaft, hilfreich, WICHTIG


