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Literaturiens Blog

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»Haltet die Uhren an.

Vergeßt die Zeit.

Ich will euch Geschichten erzählen.«

 James Krüss

Conny aus Literaturien, Edelweiss und Euphelia, die Vereinsschreibfeder, halten Euch auf dem Laufenden über das, was auf Eurer "Insel" Literaturien vor sich geht. Ob kleine Momente der Freude, große Fortschritte, neue Ideen, Informationen über die kommenden und Berichte über die vergangenen Veranstaltungen - hier lest Ihr davon und kommt mit den beiden Schreibeifrigen ins Gespräch. Wir freuen uns über Eure Gedanken, Vorschläge, Beiträge in Form von Kommentaren. ♥

Euphelia schaut Conny so ganz unbemerkt von der Seite an. Die Stirnfalte, da ist sie wieder. Als sie sich vorhin seufzend im Sessel zurück lehnte, hörte Euphelia sie zu Maxi sagen: „Noch sieben Mal schlafen. Heute in einer Woche um diese Zeit ist der Schlüsseltag schon Geschichte.“ Der Countdown läuft mit Riesenschritten. Natürlich sind sie alle aufgeregt, doch jetzt, wenn man sagen kann, nächsten Montag, jetzt steht die Vorfreude plötzlich ganz vorn in der Reihe. Die Eingangstreppe wird sicher noch dreimal gewischt bis dahin, doch auch im Haus sind nun fast alle Arbeiten erledigt. Der Maler hat sich heute verabschiedet. Alles läuft nach Plan. Nach Plan. Conny muß lächeln. Denn bei ihr läuft immer alles nach Plan, wenn er manchmal auch zweimal täglich geändert wird. Eine Herausforderung für die Truppe um sie herum. Doch Pia zum Beispiel kommt damit gut zurecht. Naja, dann machen wir es jetzt erst mal so und schauen dann später, ob alles so bleibt.


Gemacht werden muß es ja sowieso. Genau, denkt Conny, so einfach ist das. Pia ist die kleinste Maus in der Runde, doch wenn es um ihre Zimmer geht, dann paßt sie gerade so durch die Tür. Da kann sie sich ganz groß vor Torsten aufbauen, ihn von ganz unten anschauen und sehr fordernd ihre Wünsche vorbringen. Sätze, die mit den Worten beginnen: „Wenn ich als Gast dieses Zimmer betrete,…“ kennen keinen Widerspruch, sondern einen Notizzettel mit Ausrufezeichen. Pia liebt diese Freiheit in ihrem Job, selbst entscheiden zu dürfen, mit welchen Raffinessen sie ihre Gäste verwöhnen darf. Oft weiß sie bereits, wenn sie den Namen liest, welches Kopfkissen oder welche zusätzliche Decke zu holen ist. Pia redet mit ihren Zimmern und die Gäste spüren dieses liebevolle Vorbereiten am Wohlfühlklima.

Wo der große Kaffeebecher steht, der scheinbar eine eingebaute Nachfüllpatrone im Inneren versteckt hat, da ist Pia ganz in der Nähe. Wenn es ihre Zeit zulässt, kommt sie gern besonders schön gekleidet zur Arbeit. Dann erscheint diese zierliche Frau wie eine kleine schüchterne Prinzessin und Conny lächelt und knuddelt sie. Für Pia waren diese letzten Monate ein wahrer Meilenstein in ihrem Leben. Sie zog mit ihrer Familie aus einer Mietwohnung in ein eigenes kleines Häuschen. Wieder ein Stück mehr Freiheit, ein Wert, der ihr so wichtig ist. Conny wundert es deshalb gar nicht, daß Pia gern mit dem Wohnmobil quer durch Norwegen reisen möchte. Doch zunächst genießt sie hier in Groß Breesen den wilden Park und bald das lächelnde Danke der Gäste und schöne Gespräche zwischen Tür und Tür.

Die Tage bis dahin gehören nun dem Feinschliff. Außerdem braucht der Rasen noch einen neuen Schnitt, das ist schon sehr viel mehr, als nur Feinschliff. Conny wollte ihn nicht in der trockenen Hitze kürzen. Doch nun verschwindet sie schon fast darin. Ihr rotes Kopftuch leuchtet zum Glück. Findet ihr sie auf diesem Suchbild?

Sie liebt diese Wildheit in ihrem Park.

 
 
 

Euphelia verfolgt das Geschehen im Haus voller Begeisterung. Diese Woche hat Ähnlichkeit mit einem Mannschaftswettkampf. Um 9 Uhr kommt von irgendwoher „Auf die Plätze fertig los!“, dann setzen sich Mensch, Eimer, Wedel, Staubsauger und Co in Bewegung. Heute, so hat Euphelia bemerkt, wird das Team durch einen Gastspieler ergänzt. Der Teppichklopfer hat seinen Auftritt. Liane und Engelchen wollen es ihm so richtig zeigen, und so bekommt er seinen Einsatz kurz nach Mittag in der prallen Sonne. Doch das ist gleichzeitig das Zeichen dafür, daß sie sich tatsächlich einem Staffelende nähern. Was für eine intensive Woche liegt hinter ihnen. Nahe beieinander, ständig in Absprache miteinander, bei Hitze, untrainiert nach den letzten sieben Monaten mit dem Anspruch höchster gründlicher Qualität putzen alle miteinander unter Zeitdruck – und lachen immer noch. Der Teppichklopfer ist das vereinbarte Zeichen: Die Treppenputzer treffen aufeinander mit den Geländerputzern, mit den Küchenputzern und den Fensterputzern. Beim Mittag wurde die Soll-Ist-Check-Liste bereits abgeglichen.

Dann waren nur noch wenige Fenster, Treppen und Türen übrig. Eine der vielen Überraschungen der letzten Tage war für Euphelia die Fensterfee Doris. Ob Türen oder Fenster – sie arbeitete sich förmlich von oben nach unten rund um das Gutshaus.

Doch jetzt freut sich Doris doch am meisten wieder auf ihren Bereich in der Küche.

Conny muß lächeln, als Doris diesen Blick um sich herum wirft – meins. Conny kennt diese Arbeit aus eigener Erfahrung und weiß genau, daß nicht viele mit Doris tauschen möchten. Es ist die Schnittstelle zwischen Küche und Service. Wenn es richtig brummt im Restaurant, steht demjenigen an der Spüle sprichwörtlich das Wasser bis zum Hals. Warm, feucht, alle wollen etwas gleichzeitig. Doris, die Töpfe! Doris, ich muß die Teller loswerden! Doris kannst du mit anrichten? Doris, wo ist das Brot? Doris, saubere Pfannen! Doris, ich brauche saubere Teelöffel! Und dann, dann kommt auch noch Conny um die Ecke. Doris, kannst du bitte mit der Hand die Sammeltassen abwaschen! Ja, und genau heute antwortet Doris auf Connys Frage, was würde sie tun, wenn sie eine Million im Lotto gewinnt: “ Genau das hier. Geld anlegen, meinen Töchtern helfen und unbedingt hier arbeiten. Ich war sieben Monate zu Hause. Ich weiß ganz genau, daß ich hier sein möchte. Familie eben.“ Doris bäckt gern und sie liebt ihre saubere Hotelküche am Ende ihres Arbeitstages. Manchmal, so sagt sie selbst, ist sie ein Eigenbrödler, ein wenig verpeilt, doch das ist hier jeder, jeder auf seine Art. Familie eben. Tja, und daß auch Doris in die Welt reisen möchte, überrascht ja fast nicht mehr. Sicher ist, daß sie alle hier wieder ankommen möchten. Es werden tolle nächste Jahre, denn jetzt kommen mit Doris auch die Pyramiden und der Nil auf den Plan.

Zunächst jedoch bereiten sie hier weiter gemeinsam das schönste Reiseziel der Welt vor.



 
 
 

Euphelia streift durch das Gewölbe. Zwei Tage hintereinander hat sie hier jetzt das Spektakel von Wischlappen, Staubsauger und Wedel beobachtet. Raum für Raum, Ecke für Ecke, Fenster für Fenster gingen sie vor. Ein eingespieltes Team.

Conny wandelt durch den langen Gang, streichelt hier und da einen Backstein, sie duzt jeden. Doch nur kurz hängt sie heute in den Erinnerungen.

Sie setzt sich an den blank polierten großen ovalen Tisch im Raum Sevilla, schaut hinaus auf die magischen, riesenhaften Kastanien im Park und die Stirnfalte deutet auf höchste Konzentration. „Habe ich an alles gedacht? Gibt es eine Lücke im Plan? Werden wir rechtzeitig fertig?“ Ihren Handwerkern ist sie so sehr dankbar. Sie haben zügig und mit bester Qualität abgeliefert und einen sauberen Arbeitsplatz hinterlassen. Conny gähnt, streckt sich einmal krachend durch und stellt fest, daß Aufstehen anstrengender ist als Hinsetzen. Da kommt Nicole um die Ecke. Jegliche Müdigkeit und Sekundenschwäche verfliegt, wenn dieses Energiebündel auftaucht. Mit dem Zipfel ihres Putzlappens fährt sie liebevoll über den Rand des alten Tisches. „Tja, Conny, jetzt geht alles ganz schnell, dann führe ich hier wieder die Regie.“ Euphelia lächelt in sich hinein. So kennt man das Frühstücksengelchen. Am meisten liebt sie wohl jeder, weil man genau weiß, was sie sagt, das denkt sie. Und Euphelia weiß zudem, Engelchen liebt diese große Verantwortung für IHR Frühstücksbuffet. Seit vielen Jahren läßt sie sich hier für die Gäste am Morgen immer wieder etwas Neues einfallen, kocht Marmeladen, brät Fleisch, kombiniert Salate. Engelchen bereitet auch schon mal zu Hause alles vor, wenn es in der Hotelküche zu sehr wuselt. Nun kam in den letzten Monaten auch bei Engelchen das Hobby des Brotbackens an. Euphelia ahnt bereits, daß es hier tolle Gespräche über Saaten, Mehle, Kerne, Nüsse am Frühstücksbuffet geben wird. Engelchen selbst ist wohl am meisten überrascht, daß sie Brot bäckt – und das so voller Leidenschaft. Daß sie sich hier voll kreativ und in eigener Verantwortung frei ausleben kann, das ist ihr großer Traum eines Arbeitsplatzes. Hier kann sie ihn leben – und das tut sie mit aller Energie und Freude. Sie flitzt schon wieder los.

Conny erwischt sie als nächstes neben Liane an der Spüle zwischen den Flaschen, als ihr die Frage spontan einfällt: „Wen würdet ihr gern hier mal begrüßen, bewirten, mit ihm reden, gibt es da eine prominente Person?“ Und wie aus einem Munde, ohne zu überlegen, bekommt Conny den Steffen Henßler serviert. Ja, glaubt man das! So genau kennen diese Mädels ihre Wünsche. Na gut, dafür müssen sie wohl hier erst mal wieder alle gemeinsam in die Spur kommen, bevor sie diese hohe Etage der Ideen in Angriff nehmen. Conny hat so große Lust, solche Wünsche zu erfüllen.

Der Feierabend naht. Diese zehnköpfige Raupe ist ein Phänomen. Das Gewölbe strahlt voller Liebe und beantwortet die Zuneigung der letzten beiden Tage mit einem absoluten Wohlfühlaroma. Doch Engelchen nimmt zur Kenntnis – fertig also hier – und schon flitzt sie in den Salon. Die Fenster sind noch zu schaffen. Doch irgendwann ist Conny so sehr erschrocken. Euphelia spürt die Panik, die in ihr aufsteigt. Conny packt gerade Sachen für ein Päckchen der BuchBar zusammen, da hört sie Stimmen auf der Eingangstreppe. Conny zuckt förmlich zusammen. Nur ein Gedanke beherrscht sie völlig aus dem Nichts: Sie hat sich im Datum geirrt, die ersten Gäste kommen. Völlig unreal der Gedanke, denn dann hätten sich ja alle geirrt. Doch er steht mitten im Raum und Conny komplett unbeweglich daneben. Sie erkennt keine Stimmen, sie kann sich nicht von der Stelle rühren – sie hat sich im Datum geirrt. Das ganze Wohnzimmer ist noch Lager von allem – und Conny überlegt einen Bruchteil einer Sekunde, wo läßt sie das alles, bevor die Gäste die Eingangstür erreicht haben. Doch schon löst sich der Schock, denn Pia und Engelchen mit Besen und Handfeger bewaffnet entern lachend die Tür. „Wir proben schon mal den Aufstieg, haben wir uns so gedacht. Die Treppe hatte es nötig.“ Und in Connys Gedanken folgt die Erkenntnis: Gut zu wissen, der Schlüssel funktioniert noch.

Es ist so schön, daß viele ihrer Gäste sich mit ihr freuen, wenn es am 14. Juni wieder losgeht. Und sie freuen sich nicht nur, sondern buchen auch. Wo würde Conny jetzt hinfahren wollen, wenn alles wieder geht? Irgendwie gerade gar nicht weg. Die letzten sieben Monate haben zu einer völligen Verzücktheit über diesen Ort bei ihr geführt. Aber das wird sicher wiederkommen, Conny ist eine Reisemaus, das kann einfach gar nicht ganz vorbei sein.

Auf Nachfrage nach einem Traumreiseziel verrät ihr Engelchen: Dubai! Engelchen träumt davon, in der Eingangshalle des höchsten Hotels der Welt zu stehen und sich im Kreis zu drehen, sie möchte dort ganz nach oben fahren, sie möchte durch die Straßen schlendern und diese total fremde Welt an sich vorüber ziehen lassen. Und sie möchte echte Scheichs sehen. Und sie möchte vielleicht eine neu Idee für das Frühstück mitbringen. Das ist so richtig nochmal ein Traum von ihr, und Engelchens Augen strahlen dabei ganz besonders. Conny liebt Träume, und am meisten liebt sie es, wenn man seinen Traum lebt. Sie wird also auch Engelchens Traum fest im Auge behalten und weiß einmal mehr, daß ihre Truppe voller Überraschungen steckt. Euphelia schaut Conny vorsichtig von der Seite an – schleicht sich da etwa ein Tränchen der Rührung und Liebe ins Auge? Doch gleich nach Dubai kommt Engelchens Lieblingsplatz in Groß Breesen. Das nennt Euphelia mal einen Ehrenplatz auf der Skala.

 
 
 
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