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Literaturiens Blog

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»Haltet die Uhren an.

Vergeßt die Zeit.

Ich will euch Geschichten erzählen.«

 James Krüss

Conny aus Literaturien, Edelweiss und Euphelia, die Vereinsschreibfeder, halten Euch auf dem Laufenden über das, was auf Eurer "Insel" Literaturien vor sich geht. Ob kleine Momente der Freude, große Fortschritte, neue Ideen, Informationen über die kommenden und Berichte über die vergangenen Veranstaltungen - hier lest Ihr davon und kommt mit den beiden Schreibeifrigen ins Gespräch. Wir freuen uns über Eure Gedanken, Vorschläge, Beiträge in Form von Kommentaren. ♥

Euphelia ist heute ein wenig in sich gekehrt. Nun ist er auch wirklich spürbar da – der Herbst. Draußen sitzen mehr als 30 Gäste im Park. Lichterketten auf den Tischen beleuchten die Teller. Torsten genießt seinen Job hinter dem Grill. Von Abgrillen will er noch gar nichts wissen. Der Mecki hat heute schon fleißig Brot und Kuchen gebacken, obwohl die kühleren Temperaturen völlig neue Herausforderungen an Edoard stellten. Doch mit Pfiffigkeit gingen alle Brote ganz wunderbar ihrer Wege.

Auch Teige in Gärkörben fühlen sich warm und mollig am Tresen.

Eine herrliche Stimmung im Park läßt den Spätsommer leichter verabschieden. Habt ihr alle in diesem September Tucholsky gelesen? „Die fünfte Jahreszeit“. Wenn nicht? Bitte noch lesen, auch wenn gestern schon Herbstanfang war. Gehört zum spätsommerlichen Ritual. Euphelia freut sich so sehr, daß Conny vorgestern endlich wieder auf ihr knallrotes Fahrrad gestiegen ist. Ihre Rosinante strahlte vor Glück.

Conny trat in die Pedale, und das Grinsen im Gesicht hielt 35km lang. Als wenn sie ihre Umgebung das erste Mal sah, so sehr begeisterte sie die Schönheit ihrer Strecke.

Neue Freunde

Straßenkontrolle

Seht ihr den Tanz der Elfen?

Niemand kann sich diesem Zauber entziehen.

Da sie erst am frühen Nachmittag startete, durfte Torsten schon bei Abfahrt darauf hoffen, sie irgendwann wieder einzusammeln.

Wenn Conny auf dem Fahrrad sitzt, feiert sie das Leben. Alles loslassen, die Natur genießen und immer wieder überrascht werden von neuen Blicken und Aussichten. Es ist sooo wichtig, sich der Freude am Leben nicht berauben zu lassen. Tagtäglich bekommt man Nachrichten an die Ohren und auf die Augen, die oft wie ein Tritt in die Kniekehlen wirken. Conny weiß, daß sie ihre Insel Literaturien nicht davor bewahren kann. Es gibt keine Zugbrücke, die sie hochziehen darf. Doch sie möchte den Menschen um sie herum voller Frohmut ein Gefühl geben, sich einfach fallenzulassen, tief zu atmen und sich ein paar Stunden oder Tage locker, leicht und gesellig zu fühlen. Schon seit geraumer Zeit denken Gäste darüber nach, wie wohl das Jubiläum der 25 Jahre Gutshotel Groß Breesen im nächsten Jahr gefeiert wird und wann. Eigentlich wollten Conny und Torsten das so übergehen, wie ihre 60 Jahre. Doch sie kommen aus der Nummer scheinbar nicht raus, und Euphelia hofft so sehr, endlich mal wieder so richtig Stoff zu bekommen. Auch die Gutshotelfamilie ist der Meinung, da sollten es alle mal wieder so richtig krachen lassen. Viel wurde schon besprochen, manches angerissen, einiges nun beschlossen. Es wird keine Silberhochzeitsfeier geben, sondern es wird ein Jahr voller fröhlicher, traditioneller, kleiner, feiner gemeinsamer Erlebnisse. Das Groß Breesener Jahresmotto wird hiermit erstmals bekannt gegeben.

2023 – Das Groß Breesener Jahr der Lebenslust

Ein Vierteljahrhundert voller Stolz und Dankbarkeit.

Conny spürt Gänsehaut am ganzen Körper, denn es wird nach langer Enthaltsamkeit erneut einen Veranstaltungskalender für das Bücherhotel geben. Es ist total aufregend für sie, und manchmal rollen einfach die Tränen vor Rührung und vor Respekt dem Team gegenüber, welches dann ja die Ideen mit umsetzen muß. Doch die ganze Gutshotelfamilie steht geschlossen und voller Kreativität hinter dem Motto und den neuen Veranstaltungen. Euphelia darf über alle Vorhaben weiterhin berichten. Sie liebt ihren Platz „Zwischen den Zeilen“, denn dort bekommt sie in Echtzeit alle Neuigkeiten mit. Das einzige, was sie dann noch braucht, ist eine Hand, die sie führt. Doch diesbezüglich wird sie immer einfallsreicher. Also. Es bleibt spannend. Schaut auf die Homepage des Gutshotels, dort werden in den nächsten Tagen die ersten kleinen Ergebnisse des Nachdenkens zu sehen sein. Nein, nein, ruft Euphelia, ich bin die Erste, die Überraschungen und Höhepunkte vermittelt. In diesem Sinne wünscht sie euch einen zauberhaften Start in einen gemütlichen Herbst.

Psst – dahinter leben die Lesewesen

 
 
 

Euphelia flattert unruhig. Da räumt Conny in den Büchern, dort zurrt  Torsten die letzten Riemen fest. Im Park schaut Kerstin, ob alle möglichen Flugobjekte gesichert sind. Nicole ist gerade wieder angekommen, hat zu Hause die Familie versorgt und nimmt jetzt hier ein Zimmer, um als Frühstücksengelchen dem aufziehenden Sturm ein Schnippchen zu schlagen.  Bine werkelt in der Küche, Maxi sichert die Daten, falls die Stromleitungen nicht durchhalten. Der Wind pfeift durch die Lüftungsklappen. Die Mädels rücken näher zusammen, Spiele stehen bereit.

Immer mal wieder ein Blick in den Park. Die alten Bäume halten sich tapfer. Der Vollmond ist hinter einer dicken grauen Wolkendecke verschwunden. Der will als Schneemond mit dieser über alles liegenden Farbe grau nichts zu tun haben.  Der Schneemond, der heute um ca. 17.57 Uhr seinen höchsten Punkt am Himmel erreicht hat, steht unter dem Zeichen des Löwen und für innere Einkehr, spirituelle Offenbarungen und neue Erkenntnisse. Das astrologische Himmelsereignis führt dazu, dass sich die Sternzeichen mehr mit sich selbst beschäftigen. Vergangene Entscheidungen werden bewertet, bestehende Konflikte überwunden und neue Ziele gesetzt. Stier, Jungfrau und Steinbock sind im Element Erde geboren und eigentlich die Macher*innen unter den Sternzeichen. In den kalten Wintermonaten haben sie es sich sehr bequem gemacht und viele der To-do’s unnötig lange aufgeschoben. Unterbewusst hat ihnen das ganz schön zu schaffen gemacht und am Selbstbewusstsein genagt. Die Energie vom Schneemond hilft den in diesen Sternzeichen Geborenen ihre unterbewusste und diffuse Unzufriedenheit anzugehen und zurück zur eigentlichen Power und Kraft zu finden. Da erledigen sich die To-do’s für den Rest des Jahres 2022 wie von selbst? Nein, nein, Conny wird ab morgen diesen Prozess lieber selbst in die Hand nehmen. Heute macht sie es sich jedoch ganz kuschelig, nimmt ihr Strickzeug und lauscht eingemummelt dem Tosen da draußen.

 
 
 

Euphelia zieht so tief den Duft ein, daß sie beinahe ein ganzes Stück größer wird. Noch immer sind alle aufgeregt, wenn ein Brot seinen frischen Geruch durch das Haus verströmt. Inzwischen backen Engelchen, Liane und Conny jede ihre AllerliebstBrote. Conny hat jetzt oft am Abend ihren Freund Edoard an ihrer Seite, damit er vor der Nachtgare genug Wärme bekommt. Torsten hat sich mit Edoard arrangiert. Dabei begann diese Liebe zum Brot und vor allem zum eigenen Backen des Brotes ganz simpel vor drei Jahren bei einer Reise gemeinsam mit Connys Eltern.

Connys Eltern sind keine Außerhausfrühstücksesser. Sie sind in dieser Beziehung sehr konservativ, was ihnen mit über 80 gelebten Jahren auch zusteht. Doch auf einer gemeinsamen Reise zu ihrem Enkel Charly nach Heidelberg vor drei Jahren sprangen sie regelrecht über ihren Schatten, mehrfach sogar. Einmal blieb Conny lebhaft in Erinnerung.

Sie hatten für eine Zwischenübernachtung ein Apartment in Weimar gemietet – ohne Frühstück. Also begaben Sie sich am Morgen auf die Suche nach frischen Brötchen. Ihre Eltern erklärten fest, mitkommen zu wollen. In einer kleinen Straße, das Wetter war schön, die Sonne beschien genau diese Straßenseite, saßen junge Menschen, Studierende, Männer mit Maurersachen und Mütter mit ihren Babywagen auf dem Fenstersims und auf kleinen Stühlen an kleinen Bistrotischen. Es wuselte und von weitem fragten sie sich, welche Besonderheit diese ganzen verschiedenen Menschen an diesen Ort zieht? Mit jedem Schritt gab ihnen ein intensiver werdender Geruch die Antwort. Noch nie hatte Conny so bewußt den Duft nach frischem, warmem Brot vernommen. Sie wollte auf der Stelle stehenbleiben. Sie wollte unbedingt dieses erste Mal festhalten, nicht dichter kommen, vielleicht diese einmalige Begegnung mit diesem zauberhaften Duft noch ein wenig bewußt erhalten. Conny hatte keinen Blick mehr für ihre Familie, obwohl sie zu fünft unterwegs waren. Sie ließ sich in diesem Zauberduft nach Harmonie, nach Urvertrauen einfach mitreißen. Mit einem langen Atemzug, als ob sie für immer alle Sensoren in der Nase, alle Härchen mit diesem Empfinden verankern könnte, trat sie wie magisch angezogen durch die Dufttür. Sie befand sich in einem winzigen Brotbistro. Um sie herum wurde geredet und geschubst. Sie merkte nichts. Conny roch mit großen Nasenflügeln, bis sie voller Luft schon auf den Zehenspitzen stand. Nun sah sie verschiedene Backöfen, sah das Feuer in einem Steinbackofen ganz hinten in der Ecke, spürte die Wärme wie eine Decke um sich herum. Bald schon konnte sie den Geruch selektieren zwischen den verschiedenen Brotsorten, roch das schwere dunkle Brot, merkte den Unterschied zum hellen langen vornehmen Brot. Doch sie hatte keine Ahnung, was sie roch. Conny war berauscht in der Nase. Plötzlich erinnerte sie sich, daß sie gar nicht alleine hier war. Sie schaute sich suchend nach ihren Eltern um, die sie noch auf der Straße vermutete. Die beiden standen, ebenfalls der Welt entrückt, direkt hinter ihr. Nie wird Conny dieses Lächeln auf ihren Gesichtern vergessen, dieses verzückte Schnuppern, diese Erwartung, endlich in die erste Stulle eines frischen Brotes hinein zu beißen, es fluffig in der Hand und am Gaumen zu spüren. Nur Minuten später saßen Conny und ihre Familie in einer Ecke auf dem Fenstersims und auf kleinen Stühlen an einem kleinen Bistrotisch mit einem Pott Kaffee für jeden und einer deftigen Scheibe frischen Brotes. Dieser Moment war ausschlaggebend, gemeinsam mit ihrer Mama einen Sauerteig anzusetzen, der bis heute lebt und Edoard heißt. Bei jedem frischen Brot aus dem eigenen Ofen lächelt Conny – auch in Erinnerung an dieses zauberhafte Frühstück mit ihren Eltern, an diese wundervolle gemeinsame Reise und vor allem wegen der Liebe zu ihrer Familie. Sie nimmt jedes Mal mit der Nase ganz dicht am noch warmen Brot einen tiefen Atemzug und fühlt sich geerdet und angekommen.

 
 
 
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